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Umsetzung des Foto-Projektes "Beyond Landscape"
von Alfred Buellesbach

Fotos von Schlachtfeldern zu machen, ist etwas völlig anderes als Postkarten- oder Reisefotografie, obwohl in allen Fällen Landschaften die Motive sind. Die Aufnahmeorte für die Schlachtfelder sind gebunden an die historischen Ereignisse und bieten daher nur begrenzte Möglichkeiten, wenn es um die Auswahl von visuell interessanten Motiven geht. Im Gegensatz zur kommerziellen Landschaftsfotografie wird die Position der Kamera zuerst durch die geschichtlichen Ereignisse bestimmt und erst dann durch gestalterische Kriterien.


Was noch erschwerend hinzu kommt, ist, das sich die Schlachtfelder meistens in ganz normalen, wenig spektakulären, ländlichen Gebieten befinden. Mit all diesen Faktoren umzugehen machte diese Arbeit so völlig anders als die gewöhnliche kommerzielle Fotografie und gerade dadurch auch interessanter.

Eine Schlüsselfunktion während des gesamten Projektes hatten die historischen Recherchen. Als Ergebnis gab es schließlich eine Liste von 34 zu fotografierenden Schlachtfeldern Mit dieser Liste von 34 Locations war die Recherche aber bei weitem noch nicht abgeschlossen. Ich wollte die Fotos möglichst genau dort machen, wo die heftigsten Kämpfe stattfanden. Doch wo war das? Die wenigsten Schlachtfelder haben die Größe eines Ackers; in der Regel erstrecken sie sich meist über viele Kilometer, können aber auch ganze Landstriche einnehmen. Gewissheit bekommt man nur, wenn überhaupt, indem man tief in die einschlägige Literatur einsteigt und historische Landkarten studiert. Ohne die Hilfe des Internets wären all die Recherchen kaum möglich gewesen. Wichtige Details zu einigen Schauplätzen gibt es nur dank engagierter Leute, die ihre Kenntnisse im Internet publizieren. Es gibt aber auch das andere Extrem: Informationen im Überfluss. Ein Schlachtfeldführer beispielsweise über das Gebiet der Operation Market Garden (die Schlacht um die Brücken in Nijmegen und Arnheim 1944) umfasst 288 Seiten - mehr Seiten als ein Baedecker benötigt, um eine europäische Hauptstadt zu beschreiben. Geschäfte an der Somme in Frankreich oder rund um Ypern in Belgien verkaufen den Nachdruck von topographischen Karten aus dem Ersten Weltkrieg, die den exakten Verlauf aller Schützengräben zeigen.

Vorwissen hilft, vor Ort Zeit zu sparen und zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Auch hilft gute Vorbereitung mit unvorhersehbaren Umständen klarzukommen.  Schlechtes Wetter oder schnell ändernde Lichtverhältnisse können den schönsten Fotoplan zunichte machen, an dem man lange zu Hause gearbeitet hat. Dann muß man Alternativpläne zur Hand haben. Vor Ort ist keine Zeit Geschichtsbücher zu lesen.Aber selbst die beste Vorbereitung garantiert keinen Erfolg. Sehr oft haben die Verhältnisse vor Ort nichts dem zu tun, was historische Landkarten oder Ortsbeschreibungen versprechen. In manchen Fällen erwies sich der Hügel, "den unsere Truppen eingenommen hatten", als kaum wahrnehmbare Bodenwelle. Manche topographischen Merkmale in zeitgenössischen Darstellungen sind heute überhaupt nicht mehr sichtbar. All die Bilder, die man beim Lesen schon im Kopf hatte, verschwinden dann mit einem Schlag und man steht plötzlich mitten auf einem Acker in einer Landschaft, die gar keine Besonderheiten aufweist. Spätestens dann wird klar, daß das Fotografieren von Schlachtfeldern was anderes ist, als den Grand Canyon zu fotografieren.

Das Projekt startete zu einem Zeitpunkt als sich Digitalkameras langsam auch im professionellen Bereich durchsetzten und 6 bis 8 Megapixel der Standard waren. Für den Druck auf Doppelseiten oder für Ausstellungen erschien mir diese Bildauflösung zu gering. Auch war offensichtlich, daß sich während des Projektes, also im Laufe von zwei Jahren, die Standards in der Digitalfotografie verschieben würden, da gerade in der Aufnahmetechnik ständig Verbesserungen auf den Markt kommen. Ich habe mich daher entschlossen, das Beste aus der analogen Aufnahmetechnik zu kombinieren mit den Vorteilen der digitalen Nachbearbeitung. Dazu wollte ich ein möglichst großes Negativformat für eine möglichst hohe Auflösung verwenden. Die für meine Zwecke am besten geeignete Kamera fand ich in der FUJI G617, eine Kamera für das Panoramaformat von 6x17cm. Das Format bietet eine Bildauflösung, die fast dem dreifachen des klassischen Mittelformats von 6x6cm entspricht. Die Kamera hat ein fest eingebautes 105mm Objektiv, was im Kleinbildformat annähernd einer Brennweite von 24mm entspricht. Teleaufnahmen sind mit dieser Kamera nicht möglich. Das Weitwinkelobjektiv war somit ein weiterer Grund dafür, die Kamera mitten auf dem Schlachtfeld aufzustellen und nicht aus einer Entfernung zu fotografieren. Der Vorteil der FUJI G617 liegt außerdem in ihrem Gewicht. Wie so oft in der Landschaftsfotografie mußte auch ich einen Kompromiss finden zwischen der Ausrüstung und der Mobilität. Obwohl die Kamera recht groß ist, wiegt sie überraschend wenig. Von der Größe her paßt sie in Kamerarucksäcke, die für Kleinbildkameras plus Objektive ausgelegt sind. Zusammen mit einem leichten Karbonstativ kann man mit der Kamera auch größere Strecken, selbst im Hochgebirge, zurücklegen. Es mag bessere Kameras geben, jedoch mochte ich mich in meiner Mobilität nicht einschränken. Für die Panoramafotos habe ich ausschliesslich Farbnegativfilme verwendet. Farbnegativfilme bewältigen einen höheren Kontrastumfang als Diafilme. Das entsprach auch meinen konzeptionellen Absichten. Ich beabsichtigte, keine Postkartenbilder zu machen in perfekten Lichtverhältnissen, sondern auch ganz normale Landschaften zu fotografieren in ganz normalen Lichtverhältnissen, was in Einzelfällen extreme Kontrastbedingungen zur Folge hatte. Die kleineren Fotos für die Buchausgabe wurden mit Digitalkameras aufgenommen.
Zu danken habe ich dem Kulturwerk der VG Bild-Kunst in Bonn, die mein Projekt unterstützt hat.


www.landschaften.com
©Alfred Buellesbach



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